Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere

#1
Leise schleicht die Druidin in ihrer Tigerform durch den Sumpf. Hin und wieder wird die Nase gen Boden gerichtet, oder in die Luft gehoben um eine Spur zu erhaschen. Die Ohren werden gespitzt um die Beute hören zu können. Nichts. Keine Beute in Sicht.
Da das Verschwinden in den Schatten auf Dauer zuviel Energie kostet und sie sich mit ihrem Fell in diesem Sumpf sicher genug fühlt, verzichtet Enyo darauf ihre Gestalt verschwinden zu lassen. Sie war schon den ganzen Abend auf Jagd. Nach der Befreiung Hir’eeks und dem Gespräch mit Thoshi musste sie den Kopf frei bekommen. Und das war am besten indem man auf Jagd nach diesen verfluchten Bluttrollen ging. Es war schon lange nach Mitternacht und sie war immer noch unterwegs und fand keine Ruhe, die Gedanken wirbelten immer noch in ihrem Kopf herum. Besonders Thoshis Worte. Wenn sie auf einen Loa hinarbeiten würde, würde sich der wahre Loa nicht zeigen.
Er erinnerte sie stark an ihren Vater, bei dem sie aufgewachsen war seit sie 13 Sommer alt gewesen war und sich gezeigt hatte, daß sie sich eher für seinen Weg eignete, als den ihrer Mutter. Einerseits hatte Thoshi ja recht. Andererseits war sie sich sicher gewesen Hir’eek für sich gefunden zu haben, sie hatte Jahre lang darauf hin gearbeitet erhört zu werden. Und diese verfluchten des Lebens unwürdige Bluttrolle hatten das Heiligste schlechthin missbraucht – einen Loa.
Enyo hielt inne. Es war mehr ein Bauchgefühl als ein Wissen. Sie hatte noch nichts gerochen, gehört oder gesehen, aber irgendas war plötzlich anders. Nun verschwand sie wirklich im Schatten. Duckte sich und schlich so leise weiter. Das Gefühl wurde dichter im Magen, bis sie es roch. Mittlerweile wusste sie wie diese Bluttrolle rochen. Sie rochen anders als ein Amani im Wald, ein Gurubashi im Dschungel, selbst im Dschungel roch ein Amani wieder anders. Und so rochen auch die Bluttrolle in ihrem Sumpf mit einer eigenen Note. Der Tiger hielt inne und wartete, die Beute musste ganz nah sein. Es dauerte einige Minuten bis sie die Bewegung sah. Gut getarnt in ihrer Heimat hatte sich die Bluttrollin an einem Baumstamm versteckt, sie hatte die Jägerin noch nicht bemerkt und war wohl auf Patroullie. Auch sie schien zu spüren, daß etwas nicht stimmte. Sie schaute sich um und versuchte zu erkennen woher das Gefühl stammte, wobei ihr Blick an Enyo vorbei glitt, die komplett mit der Umgebung verschmolzen war. Ganz ganz langsam, wie eine Katze auf der Lauer, hob Enyo eine Pranke an und setzte einen Schritt vor. Die Bewegung musste ein Flirren in der Luft verursachte haben, welches die Bluttrollin aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte. Ihr Kopf ruckte zu Enyo herum, gleichzeitig drehte sich ihr Körper und setzte zur Flucht an.
Der Tiger brüllte auf, schoß aus seinem Schatten hervor, nahm sichtbare Gestalt an und preschte der flüchtenden Trollin nach. Die Jagd hatte begonnen.
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Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst da eh nicht lebend raus...

Re: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere

#2
Die Beute setzte über Baumstämme, watete keuchend durch den Sumpf und stürzte durch Dickicht hindurch. Enyo in Gestalt eines Tigers hinterher. Sie musste sich keine Mühe mehr geben unerkannt zu bleiben. Die Hetzjagd war in vollem Gange. Normalerweise dauerte es nicht lange und sie hatte in Gestalt des Tigers die Beute eingeholt. Gut, hier stand der Heimvorteil bei der Bluttrollin, die sich besser mit dem Untergrund auskannt. Wo trat man em besten auf, wo versank man, wie setzte man den Fuß richtig auf den Boden auf. Und doch, wieso wurde der Abstand immer größer?!
Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu. Zuerst nur ein paar Schritte, dann waren es Meter. Enyo brüllte wütend und während sie über einen Baumstamm sprang veränderte sich ihre Gestalt zu einem Geparden. Das Jagdfieber hatte eingesetzt, sie musste diese verachtenswürdige Bluttrollin reißen. Aber selbst in Gesalt eines gepaarden schaffte es Enyo nicht sie einzuhlen. Es war wie verhext. Als Gepard hatte sie es schon egschafft Pferde und andere Reittiere einzuholen, oder zumindest Schritt zu halten. Da war doch eine flüchtende Trollin ein Klacks. Und trotzdem verringerte sich der Abstand nicht.
Enyo mobilisierte ihre letzten Kraftreserven. Und wenn sie es nun nicht mehr schaffte die beute zu reißen, sie musste es schaffen sie einholen zu können. Rankpflanzen klatschten ihr ins Gesicht, Dickicht und dessen Äste kratzten über ihr Fell. Weiter vorne sah sie noch die Bluttrollin über einen umgestürzten Baumstamm springen und hinter einem Gebüsch verschwinden. War sie nun wirklich näher oder kam es Enyo nur so vor?
Der Gepard setzte mit Leichtigkeit über den Baumhinweg, preschte durch das Gebüsch hindurch und plötzlich war alles hell.
Hellblaues Licht und Schatten blendeten sie plötzlich. Wo kam das her? Das hätte sie doch schon Meter entfernt sehen müssen! Ihre Augen versuchten sich so schnell wie möglich an das neue Licht zu gewöhnen. Ihre krallen, die dem Geparden die Schnelligkeit auf dem Boden gewährten kratzten über Steinplatten, nicht mehr über den sumpfigen oder erdigen Boden. Und wo bei den Loa war die Bluttrollin hin verschwunden?!
Die Krallen fanden auf den Steinplatten keinen Halt, das hellblaue Licht blendete im Wechsel mit den Schatten und während Enyo versuchte rudernd Halt zu finden und zu bremsen tauchte dieses Ding plötzlich neben ihr auf. Leuchtend hellblauer Nebel, in Form eines schwebenden Trolles. Enyo erschrak. Ihre Krallen schabten über den Stein und hinterließen ein Kratzmuster, sie versuchte diesem Ding auszuweichen, aber das alles waren zuviele urplötzliche Sinneseindrücke und Merkwürdigkeiten. Während sie versuchte diesem Trollartigen Nebel auszuweichen rutschte ihr Hinterteil zur Seite. Der Boden unter ihren Hinterläufen gab plötzlich nach und mit Schwung wurde Enyo über die Empore geschleudert. Verzweifelt versuchte sie Halt zu finden, spürte aber nur Luft um sich herum. Sie schaffte es noch, während sie wie eine Katze sich drehte um mit den Beinen zu landen, sich in einen Tiger zu verwandeln, der mehr einstecken konnte als der Gepard, als sie unten aufkam und alles schwarz wurde.
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Re: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere

#3
Kopfweh. Pochen, dumpfes Pochen war das erste was Enyo wieder mitbekam als sie wieder wach wurde. Sie getraute sich erst gar nicht die Augen zu öffnen aus Angst, daß die Schmerzen schlimmer werden würden. Bis ihr schlagartig bewusst wurde, was zu den Kopfschmerzen geführt hatte. Die Jagd auf die Bluttrollin. Dieses hellblaue Leuchten, Trollgeister? Und dann der Sturz. Stöhnend öffnete sie behutsam die Augen, darauf gefasst, daß das Pochen gleich intensiver über sie hereinbrechen würde.
„Na da ist das kleine Kätzchen aber böse abgerutscht“ hörte sie eine tiefe dunkle Stimme neben sich, noch bevor sie überhaupt die Augen geöffnet hatte. Sie würde zu gerne nun die Augen aufreißen, aber die Kopfschmerzen hielten sie davon ab, trotz des Wissens um die Gefahr in der sie nun schweben könnte.
„Ja ja, Kopfschmerzen sind echt kacke. Aber sich so zu unterhalten macht auch einfach keinen Spaß und ich stehe so auf Unterhaltung….“ Enyo spürte einen Luftzug neben sich, als würde eine Gestalt sich plötzlich bewegen. Der Luftzug erfasste sie. Nein, eigentlich erfasste er ihren Kopf. Es war als würde er durch sie hindurch wehen. Und er nahm die Kopfschmerzen mit. Was zur Hölle…?
Enyo schlug, nun befreit von den Schmerzen, die Augen auf. Eine Gestalt schwebte vor ihr. Es war ein Troll, aber größer als normal. Nein, kein Troll. Eine Geißel? Er hatte ein Totenkopf als Schädel und glühende Augen. Erschrocken stellte sich Enyo auf alle vier Pfoten auf und wisch zurück. Bis ihr auffiel, daß eine Geißel normalerweise nicht sprach. Sie nahm auch keine Schmerzen, sondern hätte Enyos Zustand eher ausgenutzt um zu töten. Und sie schwebte auch nicht. Enyo betrachtete die Gestalt genauer. Es war ein Troll. Dunkle Hautfarbe, dort wo er nicht aus Knochen bestand, aber auch dort schütze eine Rüstung, gebaut aus Knochen, sein Fleisch.
Ein Gestell am Rücken, welches über die Schultern ragte, wie es normalerweise Schamanen trugen. Enyo holte tief Luft als sie ihn erkannte. Wandelte ihre Gestalt in die der Trollin, ihre Gedanken rasten.
Ihre Mutter würde ihr nun auf den Hinterkopf hauen, vermutlich mit einem Stab und sie anschnauzen sie solle Respekt bezeugen und knien.
Ihr Vater würde sagen sie solle eine Cobra sein. Arsch rein, Bauch anspannen, Schultern zurück und Kinn vor. Wie eine Cobra zum Angriff. Das war der Respekt eines Kriegers.
Und ein Krieger wollte sie sein. Bwonsamdi kicherte amüsiert als er ihr Gedankenspiel im Gesicht ablesen konnte und sie Haltung einnahm.
„Ah…. Sieh an….sieh an. Das Erbe der alten Dunkelspeerkrieger in den Adern, hm?“ Bwonsamdi lief schwebend um Enyo herum als würde er sie begutachten. Vielleicht tat er das, aber sie vermutete es sollte eher einschüchtern. Was ihm damit auch gelang. Nur würde sie das niemals zeigen. Haltung wahrend blieb sie stehen und blickte geradeaus.
„Ganz der Vater. Er hat mir oft von dir erzählt….“ Bwonsamdi blieb vor Enyo stehen und betrachtete amüsiert ihr verwirrtes Gesicht. „Hat er dir nicht erzählt, nicht wahr?“
Enyo schluckte. Ihr Vater hatte mal von Bwonsamdi gesprochen. Er war ein Loa der Dunkelspeere. Man redete in der Familie auch mal über die Loa. Aber er hatte ihr nie gesagt, daß er in Kontakt mit dem Loa der Toten stand. Es war ein unangenehmes Gefühl. Der Loa der Toten galt als äusserst harter Dealpartner.
„Oh nein nein….. versprochen hat er mir nie etwas. Was durchaus schade war. Es gab genug verlockende Angebote. Aber er blieb hart. Tja, dann hast du halt auf das eine oder andere bisher verzichten müssen. Bist halt der Fledermaus nachgerannt, die sich absolut nicht für dich interessiert hat….“ Zuerst zeigte Bwonsamdis Gesicht gespieltes Bedauern, nun schaute er sie lauernd an ob sie seinen Hinweis verstand.
In Enyos Kopf raste es. Sie hatte all die ganzen Jahre gedacht ihr Vater würde Hir’eek huldigen. Aber wenn sie so darüber nachdachte hatte er das nie bestätigt, sie hatte einfach nicht danach gefragt sondern angenommen. Aber warum?
Seine Deals sind hart. Enyo konnte die Worte ihres Vaters in den Gedanken hören. Er wollte, daß sie erst mit Bwonsamdi in Kontakt kam, wenn sie alt und reif genug war?!
„Was hat er dir erzählt?“ sie versuchte aus der Rolle des eingeschüchterten Opfers raus zu kommen indem sie nun das Gespräch bestimmen wollte.
Die schwebende Gestalt mit den Totenkopf kicherte amüsiert. Für ihn war das wohl eher nur ein Spiel. Enyo dagegen kam sich gerade vor als würde ihr Leben das Spielbrett sein.
Er wedelte mit der Hand, als wäre die Information unwichtig. „Er sprach voller Stolz davon wie du in seine Fußstapfen trittst. Wie gut du dich im Kampf zeigen würdest. Als du gezeigt hast, daß du die Gestalt ändern kannst. Von deiner verzweifelten Suche nach einem Loa hat er mir allerdings nie berichtet. Aber sowas brauchte er auch gar nicht. Ich habe ja selbst Augen im Kopf.“ Nun lachte Bwonsamdi als er sich erinnerte. „Wie verzweifelt du am Schrein von Hir’eek gesessen hast. Immer und immer wieder Opfer gebracht hast und die Fledermaus sich nicht um dich geschert hat. Zu gerne hätte ich dir gesagt wie schwachsinnig dein Vorhaben da war. Aber das war ein Deal mit deinem Vater.“ Eine Art schwebender Spiegel tat sich neben Bwonsamdi in der Luft auf. Seine Fläche zeigte Enyo als Teenager wie sie am Schrein der Fledermaus Opfer brachte. Zuerst war es nur Obst. Später Handelswaren. Enyo wurde im Rückblick immer älter, die Opfergaben immer größer und wertvoller. Bis man sie als Bär sah, der einen abgetrennten Kopf an den Schrein legte.
Ein Deal mit ihrem Vater, daß sich Bwonsamdi nicht einmischte in ihre Suche. Sie fragte sich wieviel ihn der Deal gekostet hatte. Immerhin lebte er noch und erfreute sich bester Gesundheit. So zumindest ihr letzter Stand, trotz des momentan aufbrechenden Krieges.
„Und nun ist sie kaputt und geschändet….“ Der Spiegel zeigte den letzten Kampf der Anduris mit Hir’eek, verdorben und gebunden dank der Bluttrolle.
Schlagartig wurden ihr wieder Thoshis Worte bewusst, daß sie nun vielleicht die Chance hätte ihren wahren Loa zu erkennen. Mit leicht zusammen gekniffenen Augen betrachtete sie Bwonsamdi. Für ihn schien das ganze Spiel hier eher ein offenes Buch zu sein. Seinem Gesicht nach konnte sie sehen, daß das ganze für ihn weniger geplant lief als für sie.
„Du willst, daß ich dich als mein Loa nun anerkenne“ schlussfolgerte Enyo und betrachtete den Loa ihr gegenüber. Bwonsamdi lachte laut auf und schien sich prächtig zu amüsieren, als hätte sie den besten Witz seit Jahrzehnten gemacht.
„Oh je. Kleine Katze, du musst noch so viel lernen. So wichtig bist du nicht, daß ich um dich bettele.“
Nun war es an Enyo die Oberhand zu gewinnen, zumindest fühlte sie sich gerade so. Sie streckte das Kinn empor und schaute dem Totenloa in die Augen, oder das was man so Augen nennen konnte.
„Warum sonst solltest du das hier arrangiert haben? Warum sonst solltest du mit meinem Vater eine Art Deal ausgehandelt haben? Warum sonst nimmst du mir die Kopfschmerzen und unterhälst dich nun mit mir? Schieß los. Wie lautet dein Deal?“ Enyo verkrampfte sich innerlich. Ihre Mutter würde ihr mit dem Stab eins überbraten wenn sie wüsste, wie sie gerade mit einem Loa, auch noch Bwonsamdi sprach. Aber was hatte Enyo schon zu verlieren? So wie die Sache aussah war sie doch irgendwie sowieso in seiner Hand.
Bwonsamdi brach nun in schallendes Gelächter aus. Enyo enstpannte sich, hatte sie doch damit gerechnet ihn nun heraus gefordert zu haben.
Bwondsamdi schwebte nun gen Boden. Seine Füße standen nun fest auf dem Boden und doch überragte er die Trollin vor sich um über zwei Köpfe lang. Es kostete sie viel Mut nicht zurück zu zucken, als er sich zu ihr runter beugte und ins Ohr flüsterte.
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Re: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere

#4
Die Geräusche der Trolle vor dem Zelt und ihrer alltäglichen Tätigkeiten weckten Enyo sachte in ihrem Zelt. Verwundert sah sie sich um. Das war ihr Zelt, welches sie sich im Stützpunkt im Lager von Nazmir gemietet hatte, als die Anduri sich dort versammelt hatten. Ihre letzte Erinnerung war, sie grübelte kurz, Bwonsamdi?
Verwirrt schaute sie sich noch einmal um. War sie nicht bei Bwonsamdi am Tempel gestanden? Hatte sie nicht mit ihm gesprochen, war ihm sogar noch einen seinen Tempel gefolgt? Aber…. Sie war doch hier im Zelt.
Ein Traum? Jedenfalls fühlte sie sich unglaublich erholt. Sie betastete ihren Kopf. An den Sturz konnte sie sich erinnern, zumindest glaubte sie das. Aber sollte da nun nicht eine Beule sein? Nichts, es tat nichts weh.
War sie gestern abgesackt? Blutrausch? Alkohol? Drogen? Alles?
Sie wollte aus ihrem Lager aufstehen, bewegte ihre Beine unter der Decke und stockte. Da war etwas. Etwas Schweres lag auf ihren Beinen. Ihr Blick glitt zu dem kleinen Wesen zu ihren Füßen hinab, welches dort lag, eben noch geschlafen hatte und nun zu ihr aufblickte.
Sie hatte ihren Wächter?!
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